Bargischow hat wieder die Wahl

André Stegemann, parteilos, im Hauptberuf als Polizeikommissar bei der Anklamer Polizeidirektion tätig, mag nicht länger Bürgermeister seiner Gemeinde Bargischow sein. Über die Gründe will er in der Öffentlichkeit nichts sagen. Er hat bereits zum 1. Juni sein Amt abgegeben. Bis zu Neuwahlen am 18. September leitet nun sein Stellvertreter Lutz Genz, ebenfalls parteilos, die Geschicke der Gemeinde.

Na, und?!

Wenn der Bürgermeister einer 400-Einwohner-Gemeinde zurücktritt, interessiert das meist nur den Lokalteil der Lokalpresse. Der überraschende Abgang dieses ehrenamtlichen Bürgermeisters aus Ostvorpommern hat nun aber sogar ein Fernsehteam des NDR in den äußersten Nordosten der Republik gelockt.

Denn Lutz Genz, der neue Interimsbürgermeister von Bargischow, hatte bereits im Kommunalwahlkampf vor knapp zwei Jahren auf sich aufmerksam gemacht. Damals warb er bei einer Wahlkampfparty am Bargischower Kriegerdenkmal mit Freibier um die Stimmen der örtlichen Neonazis, der einschlägig bekannte Bargischower Rechtsextremist Daniel Rosa, Gründungsmitglied des rechtsextremen "Heimatbund Pommern" und Sänger der Rechtsrockband "Wiege des Schicksals", durfte eine Hetzrede halten. Zwar bewarb sich Genz vergeblich um das Bürgermeisteramt. Aber er bekam immerhin den Titel Vize-Bürgermeister – dank des Polizeibeamten André Stegemann. 

Um den Posten des Bargischower Vize-Bürgermeisters nämlich hatte sich neben Genz auch Ulrich Höckner beworben, Leiter der Anklamer Caritas, der sich seit Jahren offen gegen die Rechtsextremen in seiner Gemeinde positioniert und zum Dank im Wahlkampf von Rechtsextremen als "Netzbeschmutzer" diffamiert worden war. Stegemann musste angesichts eines Patts im Gemeinderat das Duell entscheiden – und machte Genz zu seinem Vize. Weil nur der "mehrheitsfähig" in der Gemeinde sei. Als Lutz Genz im Juli 2009 schließlich seinen Amtseid aufs Grundgesetz sprach, war das für einige Zuschauer im Gemeindesaal ein Grund zur Heiterkeit.

Den Vorwurf der Lokalpresse, Stegemann habe einen Sympathisanten der rechten Szene zum Vize-Bürgermeister gemacht, hatte der Bürgermeister in einem Interview für unser Buch (S. 66f) brüsk von sich gewiesen:

"Ich frage mich, wie kommen die darauf? Immer wird der Lutz in die rechte Ecke gestellt – dabei gibt es dafür keinen Beleg."

Dass der neue Vize-Bürgermeister mit den Jungs vom "Heimatbund Pommern" zusammen Wahlkampf gemacht habe, das heiße nicht unbedingt etwas. "Ich denke, der Lutz hat sich vor den falschen Karren spannen lassen. Dem ist das Ganze etwas aus dem Ruder gelaufen."

Die Hetzrede des Rechtsextremen Daniel Rosa auf Genz' Wahlkampfveranstaltung habe er nicht aus nächster Nähe gehört, versicherte der Polizist:

"Das klang irgendwie nicht schön. Aber den Inhalt konnte ich aus der Entfernung nicht verstehen."

Dass André Stegemann als Polizisten und Bargischower Bürgermeister ein schwieriger Spagat bevorstehen würde, war vom ersten Tag seiner Amtszeit an klar – womöglich hatte er auch Ärger mit den Rechtsextremen aus der Gemeinde. Sicher ist: Er bekam Ärger wegen ihnen.

Stegemann war nie erpicht darauf, mit Journalisten über seinen Umgang mit den Bargischower Neonazis zu sprechen. Das letzte Interview in seiner politischen Funktion gab er dem ZDF-Magazin "Mona Lisa". Darin erläutert er, warum der Rechtsrocker Daniel Rosa einen der Schlüssel zum Jugendclub der Gemeinde verwahrt (siehe Video).

Ob dieser TV-Beitrag ein Auslöser für seinen Rücktritt war, ist unklar. Klar ist, dass die rechte Szene* bereits den Schuldigen kennt: Ulrich Höckner, der ebenfalls mit dem TV-Team von "Mona Lisa" geredet hatte.
 

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