"Unsere Kinder fallen überall positiv auf"

Die Eheleute Marc und Petra Müller, wohnhaft im mecklenburg-vorpommerschen Lalendorf, werden demnächst wohl Post von Christian Wulff bekommen.

Petra Müller ist nämlich unlängst zum siebten Mal Mutter geworden, weswegen die Müllers eine Ehrenpatenschaft des Bundespräsidenten für ihren Nachwuchs beantragt hatten, die der Bundespräsident den Eltern eigentlich wie üblich "mit einem Patengeschenk (zzt. 500 Euro) von einem Repräsentanten der Stadt oder Gemeinde aushändigen" lassen wollte. Schließlich erfüllt der jüngste Müller-Sproß anscheinend alle Ehrenpatenschaftsvoraussetzungen (Antrags-Download hier). Doch im Fall der Müllers hatte sich der zuständige Repräsentant, Bürgermeister Reinhard Knaack (Linke), der Aushändigung verweigert, was hernach als "großes Vorbild für Entschlossenheit und Zivilcourage" gewertet wurde, denn…

… die Müllers sind rechtsextrem. Aber, wie die heutige "taz" berichtet, ein Ausweg aus dem Dilemma ist bereits gefunden: Nach einigem Hin und Her (und nachdem sich die NPD-Oberlausitz* "an den roten Faschismus" erinnert fühlte und sich laut "Junge Freiheit" (JF)* auch noch der Landesvorsitzende der Deutschen Kinderhilfe Mecklenburg-Vorpommern glaubte zu Wort melden zu müssen) kommen Urkunde und Geld nun per Post aus Bellevue.

Zuvor hatte die "Junge Freiheit"* außerdem berichtet, dass Mutter Müller zwar ihre Kontakte zur 2009 verbotenen "Heimattreuen Deutschen Jugend", zur 1994 verbotenen "Wiking-Jugend",  zur NPD-Organisation "Ring Nationaler Frauen" und zur (inzwischen verstrobenen) NPD-Größe Jürgen Rieger nicht bestreite. Aber, so die JF weiter:

"Wir haben aber keine Straftaten begangen", sagt die 37-Jährige. "Wir sind auch nicht Mitglied in der NPD." Sie seien vor knapp anderthalb Jahren nach Lalendorf gezogen und hätten sich nie etwas zu Schulden lassen kommen. Im Gegenteil: "Bis jetzt haben wir nur Lob für unsere Kinder bekommen. Von Nachbarn, von Lehrern. Unsere Kinder fallen überall positiv auf."

Nun aber klage ihr 14-jähriger Sohn über Bauchschmerzen, wenn er morgens zur Schule soll.

P.S.: Die Müllers sind nicht die einzigen Rechtsextremen, die ihre Kinder mit präsidialen Ehrenpaten zu bedenken wussten. In der Großfamilie der rechtsextremen Aktivistin Silvia Kirschner (ehemals Silvia Berisha) etwa gibt es offenbar sogar schon zwei Ehrenpatenonkel: den ehemaligen Bundespräsidenten Horst Köhler und den (fürs 6. Kind mit bis zu 1250 Euro dotierten) ehemaligen Ministerpräsidenten Dieter Althaus. Letzterer hatte, wie erst 2006 öffentlich wurde, die Patenurkunde im Wahlkampf 2004 sogar persönlich ausgehändigt. Laut "Leipziger Volkszeitung" seien besorgte Bürger zwar im Vorfeld beim damaligen Thüringer Bürgerbeauftragten, Karsten Wilsdorf, wegen der vielleicht etwas unglücklichen Umstände des geplanten Wahlkampftermins vorstellig geworden. Doch sah Wilsdorf damals wohl keine Notwendigkeit, den Ministerpräsidenten zu informieren. Der Informationsdienst "Blick nach Rechts" erinnert sich nun:

Nach der Scheckübergabe ließ [Althaus] sich mit dem jüngsten Spross auf dem Arm, neben der Mutter und ihrer auffällig altmodisch gekleideten Kinderschar lächelnd ablichten. Auch Kirschner schien ihren Spaß gehabt zu haben.

 

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