"Eigentlich interessiert mich das nicht"

Anfang November besuchte Hans Püschel, seit vielen Jahren Bürgermeister von Krauschwitz, den NPD-Parteitag in Hohenmölsen. Anschließend schrieb er, warum auch immer, einen langen Leserbrief an die "Mitteldeutsche Zeitung", dessen Veröffentlichung die Zeitung aber ablehnte, woraufhin Püschel ihn u.a. auf der SPD-Mitgliederseite meineSPD.net öffentlich machte. Püschel, dessen Zeit als Bürgermeister des 600-Einwohner-Ortes im Burgenlandkreis zum Jahreswechsel ohnehin im Zuge einer Gemeindegebietsreform enden sollte, schrieb:

(…) Ich hab mich also am letzten Samstag in die Höhle des Löwen, [zum NPD-Parteitag] ins Bürgerhaus nach Hohenmölsen begeben. Da es leicht regnete, konnte ich unauffällig einen Schirm mit nehmen für den Fall, etwas Stabiles in der Hand haben zu müssen. Der Eingang war nicht passierbar mit dem Vermerk, die linken Demonstranten hätten die Eingangstür beschädigt. Über Nebeneingang und den Weg einer fünf Euro teuren Besucherkarte wurde ich eingelassen, hab an der Garderobe Mantel und „Bewaffnung“ abgelegt und mich in den ziemlich vollen Saal gedrängt. Zu meinem Erstaunen war der angefüllt mit Menschen, wie man sie an jedem anderen Ort auch begegnen kann. Viele junge Leute, Frauen, sogar Kinder. Ich war fast etwas enttäuscht: Beinahe wie auf einem SPD-Parteitag! Keine Springerstiefel, keine Schlägertypen. Und in den folgenden rund eineinhalb Stunden hab ich in den (allerdings manchmal zu lauten) Redebeiträgen kaum einen Satz gefunden, den ich nicht selbst hätte unterschreiben können! Diese Leute suchen offensichtlich auch nur nach Wegen, um Deutschland aus seiner kranken Situation heraus zu führen. (…) Die steigende Zahl von Nichtwählern sagt uns ja, daß immer weniger Menschen den Parteien der Mitte die Lösung ihrer Probleme zutrauen. Kann man es ihnen verübeln? Ich denke, wenn die (nur noch formale) Demokratie die existenziellen Probleme der Menschen und des Landes nicht löst, dann müssen es ja diejenigen versuchen, die eine vielleicht etwas andere Demokratie bzw. Volksherrschaft installieren wollen. (…)
(Hervorhebung von uns.)

Püschels Leserbrief gefiel der NPD* so gut, dass sie ihn anschließend selbst ungekürzt und nahezu unkommentiert weiterverbreitete. Darüber sei er "absolut nicht böse", sagte Püschel anschließend dem NPD-nahen DeutschlandEcho*, dem der 62-Jährige (ebenso wie dem "neurechten" Portal BlaueNarzisse.de*) offenbar bereitwillig für ein Interview zur Verfügung stand.

Einem Parteiausschlussverfahren zuvorkommend, ist Püschel inzwischen aus der SPD ausgetreten. Bei den sachsen-anhaltinischen Landtagswahlen im März 2011 wird er nun voraussichtlich in Hohenmölsen-Weißenfels als parteiloser Direktkandidat für die NPD kandidieren.

Und die "Mitteldeutsche Zeitung", die Püschels Leserbrief nicht hatte drucken wollen, berichtet aus Krauschwitz:

Püschel und sein Ausflug an den rechten Rand? Für viele Krauschwitzer ist das weit weg. "Meine Frau hat mir davon erzählt, aber eigentlich interessiert mich das nicht", sagt ein (…) Einwohner. Er klingt müde. "Ich gehe sowieso kaum zur Wahl, es ändert sich ja doch nichts."

 
Nachtrag, 11.1.2011: "Endstation Rechts" berichtet, Püschel sei (auch, nachdem Krauschwitz zum Jahreswechsel ins nahegelegene Teuchern eingemeindet wurde) weiterhin Bürgermeister, genauer: "Ortsbürgermeister der Ortschaft Krauschwitz".

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