Huch! Stadtkewitz im "Spiegel" polarisiert

An einem kalten Novembertag ist der Journalist Jochen-Martin Gutsch mit Rene Stadtkewitz im 5er-BMW von Berlin nach Wetzlar und wieder zurück gefahren und hat darüber vergangene Woche im "Spiegel" geschrieben. Schließlich ist der Berliner Ex-CDUler René Stadtkewitz Gründer und Chef der rechtspopulistischen Islamophobie-Partei "Die Freiheit". Kostprobe? Oder zwei?

Überraschender als die offensichtliche Ahnungslosigkeit des Lokalpolitikers mit Anti-Islam-Tick aber sind die kontroversen Reaktionen auf das launige "Spiegel"-Stück:

So wird es einerseits ausgerechnet von den Stadtekwitz-affinen Autoren und Kommentatoren des islamophoben Internet-Journals "Politically Incorrect" (kurz: PI)* bejubelt ("Ein erstaunlich fair geschriebenes Portrait" "Vielleicht hat es der Spiegel begriffen: Es ist jetzt eine Zeit des Aufbruchs und der Veränderungen." "Sobald der aktuelle Spiegel in den Kiosken ausliegt, heißt es aus unserer Sicht klar und unmissverständlich: Kauf- und Lesebefehl! Die Zeichen stehen auf einen Wandel in der Politik. Vielleicht hat dieser lange Spiegel-Artikel den Zeitpunkt dafür markiert." "Der Spiegel schreibt positiv über Stadtkewitz, das Jahr fängt gut an").

Und sonst?

Für Diskussionen sorgte außerdem Stadtkewitz' Behauptung im "Spiegel", die Jugendrichterin Kirsten Heisig (die sich im vergangenen Sommer in einem Berliner Wald erhängte) habe sich zu Lebzeiten für Stadtkewitz' "Freiheit"-Partei engagieren wollen. Dem widerspricht im "Tagesspiegel" u.a. der Berliner Bezirksbürgermeister Heinz Buschkowsky, was wiederum Stadtkewitz veranlasste, seine Behauptung im Interview mit dem zwielichtigen Kopp-Verlag* sehr ausführlich, aber wenig erhellend, zu wiederholen.

Und auch "Freiheit"-Mitbegründer Stefan "Aaron" König* scheint begeistert ("Der Artikel ist insgesamt sehr wohlwollend und positiv geschrieben" "Ich denke, dass von diesem Artikel eine starke Signalwirkung ausgehen wird. Wer bisher noch gezögert hat mitzumachen, kann nun beruhigt aufatmen: selbst der überkritische Spiegel stellt 'Die Freiheit' nicht als 'rechtsaußen' und damit schädlich für den eigenen Lebenslauf dar. Wir werden als Hoffnungsträger und potenziell erfolgreiche Partei porträtiert. Unser Vorsitzender ist keine "kalte Persönlichkeit", sondern durchaus sympathisch." "Man kann den Artikel geradezu als Suchanzeige für Menschen verstehen, die sich bei uns politisch engagieren möchten.")…

… während andererseits Rechtspopulismus-Gegner wie das "Berliner Bündnis 'Rechtspopulismus stoppen!'" die Empörung kaum in Worte fassen können ("Spiegel betätigt sich als Steigbügelhalter für Stadtkewitz und 'Die Freiheit'" "Der Spiegel … versucht anscheinend … als Königsmacher und Werbemanager zu fungieren" "Schlecht recherchiert, wenig analysierend und letztendlich nur den Versuch der Verharmlosung des 'Rechtspopulismus' als demokratisch geläutertes, zumindest sehr viel moderateres Pendant zum 'Rechtsextremismus' unterstützend").

Immerhin weist das letztgenannte Bündnis nicht ganz zu Unrecht darauf hin, dass im "Spiegel"-Porträt die islamfeindliche Bürgerbewegung Pax Europa, bei der Stadtkewitz offenbar* nach wie vor im Vorstand sitzt, erstaunlicherweise ebensowenig auftaucht wie das umtriebige Stadtkewitz-"Sprachrohr" PI.
 

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