Stadtewitz-Partei entdeckt neues Feindbild

"Ich frage mich: Wie weit gehen die Linksextremisten in diesem Land, und wieviel haben die schon zu sagen? Die so genannten Antifaschisten sind längst zu den Faschisten von heute geworden. Weil das, was sie tun, sind faschistische Methoden, anders kann ich das nicht nennen.

Allen voran (…) der Herr Stegemann mit seiner Initiative, der Unterschlupf gefunden hat im Haus des 'Neuen Deutschlands', weiß das wahrscheinlich am besten, wie das früher mal funktioniert hat, wie man Leute eingeschüchtert hat, wie man sie dazu bewegt, etwas zu tun, was sie gar nicht wollen…"
(Alle Links von uns.)

Mit diesen Worten wandte sich René Stadtkewitz, Ex-CDUler und Gründer der islamfeindlichen Partei "Die Freiheit", gestern abend an die Presse. Er stand dabei auf dem Bürgersteig in der Kastanienallee in Berlin/Prenzlauer Berg vor dem Haus der GLS-Sprachschule. Dort hatte er am Abend eigentlich einen Parteitag abhalten wollen, der aber kurzfristig ausfiel. Um ihn herum: Journalisten, aufgebrachte Mitstreiter und Gegendemonstranten sowie ein kleines Großaufgebot der Berliner Polizei (siehe auch Spiegel-TV-Video).

Die GLS-Sprachschule hatte — wie wenige Tage zuvor schon das Crowne Plaza Hotel in Berlin/Charlottenburg — ihre Zusage als Veranstaltungsort für den "Freiheit"-Parteitag kurzfristig zurückgezogen. Als Grund für die Absage ließ sich die GLS-Chefin mit der Aussage zitieren, sie habe sich von der "Freiheit" über die Art des geplanten Parteitags "arglistig getäuscht" gefühlt. Und eine Formulierung in einer Pressemitteilung der "Freiheit"* ("Der politische Druck von linker Seite ist in der Hauptstadt zu groß, so dass auch die GLS Sprachschule nachgegeben hat.") legt laut Telepolis.de nahe, dass das Crowne Plaza zuvor ebenfalls aus politischen Gründen abgesprungen sei — obwohl die "Freiheit" selbst die angekündigte Verlegung des Parteitagortes zunächst mit Platzproblemen aufgrund zahlreicher Anmeldungen schöngeredet begründet hatte.

Inzwischen jedenfalls haben "Freiheit"-Chef Stadtkewitz und sein Stellvertreter Marc Doll noch einmal nachgelegt. In einem langen, langen "offenen Brief an die politische Linke"* erinnern die beiden an die Spätzeit der Weimarer Republik ("Schlägertrupps suchten jene auf, die eine andere Meinung vertraten als sie selbst und sorgten dafür, dass sich der normale Bürger nicht mehr traute, offen seine Meinung zu sagen", während die SA bei Reichstagssitzungen "in ihrem braunen Uniformen" auf den Rängen saß), um dann wütend zu folgern:

Nur wenig unterscheidet sich die heutige "Anti"fa von der damaligen SA. Ihre Klamotten sind nun schwarz statt braun, aber sie benutzen dieselben Methoden: Andersdenkende werden verfolgt und mit Gewalt zum Schweigen gebracht. Dabei ist ihnen jedes Mittel Recht (…).

Und wir dachten bisher, die "Freiheit" habe bloß Angst vor dem Islam.

P.S.: In einem Newsletter der "Freiheit" (hier von uns im Wortlaut dokumentiert) kündigt Stadtkewitz ("Ohne den Schutz der Polizei hätte ich wohl wenigstens ein blaues Auge davon getragen.") zudem die Prüfung von Schadensersatzansprüchen gegen die Sprachschule an — sowie eine erneute Einladung zum Parteitag "noch in diesem Monat".

    Siehe auch:

  • "taz"-Interview mit dem Chef des Hotel- und Gaststättenverbandes (dehoga) Berlin, Thomas Lengfelder, zur Frage, was er Hoteliers oder Restaurantbetreibern rät, wenn eine rechtsextreme oder rechtspopulistische Partei anklopft und einen Raum mieten will
  • "So hat sich René Stadtkewitz die Sache mit der Meinungsfreiheit nicht vorgestellt." ("Badische Zeitung" vom 13.1.2011)
  • Und die kleiner Berliner Boulevardzeitung "B.Z." des Axel-Springer-Konzerns verbucht die Proteste gegen den Islamfeinde-Parteitag unter der Überschrift "Autonome — Die neue linke Gewalt in Berlin", weil Stadtkewitz "mit ohrenbetäubender Musik und Gebrüll mundtot gemacht" worden sei.
  • In Hessen hat Stadtkewitz offenbar bereits dazugelernt.

Nachtrag, 22.01.2011: Wie der "Tagesspiegel" berichtet, hat das Bündnis "Rechtspopulismus stoppen" gegen Stadtkewitz Strafanzeige gestellt. Der Vorwurf: "unter anderem Beleidigung, Volksverhetzung, Verleumdung und üble Nachrede". Weiter berichtet die Zeitung, rund 40 Mitglieder der "Freiheit" seien nach dem geplatzen Parteitag in das Pankower "Wirtshaus an der Panke" ausgewichen, wo Stadtkewitz in einer Rede gedroht habe: "Aber eines sage ich euch: Wenn wir einmal an der politischen Macht sind, trocknen wir diesen linken Sumpf aus."
 

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