Archiv der Kategorie: Kurze Empfehlung

Kurz verlinkt: "Tagesspiegel" vom 30.01.2011

Weil wir uns ja im zweiten Kapitel unseres Buchs mit der Frage beschäftigen, was es heißt, in einer süddeutschen Kleinstadt ein rechtsextremes Kind zu haben, kann es ja nicht schaden, kurz auf einen Artikel hinzuweisen, in dem sich der Journalist und Blogger Thomas Trappe für die Sonntagsausgabe des Berliner "Tagesspiegels" der Frage widmete, "warum aus Kindern Neonazis werden".

Und weil's sich anbietet, hier noch eine WDR-Doku zum Thema ("Der Feind im Haus. Wenn aus Kindern Nazis werden") aus dem Jahr 2005:

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Kurz verlinkt: "Effilee" #14 (Jan/Feb 2011)

So "kurz", wie die Überschrift verspricht, wird es diesmal zwar nicht, aber:

Als ich im Sommer 2010 in Halberstadt einen Jugendlichen wiedertraf, den ich bei den Recherchen fürs Buch kennengelernt hatte, weil er beim Prozess gegen einen Neonazi als Opfer und Nebenkläger im Gerichtssaal saß, war er gerade von einem Ausflug ins Halberstädter Umland zurückgekehrt. In seinem Rucksack hatte der Jugendliche, der in der linken Szene Halberstadts aktiv ist, einige rechtsextreme Aufkleber, die er tags zuvor von Straßenlaternen und Stromkästen abgepult hatte — darunter auch diesen:

Der "Umweltschutz"-Spruch ist in all seiner Gänseblümchenhaftigkeit längst eine der gängigsten Parolen rechtsextremer Propaganda. Viele Themen, die heute gemeinhin als "typisch grün" gelten, sind auch in rechtsextremen Kreisen populär, teils als strategische Mimese, teils aus Überzeugung. Schließlich haben, geschichtlich gesehen, Öko- und Ökonazi-Bewegung z.T. dieselben Ursprünge — und sind, wenn man nicht aufpasst, sogar schnell zu verwechseln.

Wie schnell musste im Frühsommer 2010 auch das kleine, ambitionierte Foodmagazin "Effilee" feststellen: Für einen Artikel über den Zusammenhang von Gesundheit und gesundem Essen hatte das Magazin u.a. die Klinik Lahnhöhe besucht, deren Ernährungskonzept bis heute offenbar auf den Grundlagen des Vollwerternährungs-Pioniers Max Otto Bruker beruht. Doch so harmlos, wie Brukers Wirken auf der offiziellen Klinik-Website dargestellt wird, fand es sich hernach auch in der "Effilee"-Reportage wieder — obwohl doch der 2001 im Alter von 91 Jahren verstorbene Bruker von Kritikern "brauner Müslipapst" genannt wird und (um eine vielzitierte Formulierung aufzugreifen) nach einem Urteil des OLG Frankfurt von Jutta Ditfurth als "Scharnierstelle zwischen Ökologie- und Naturkostbewegung auf der einen und Neonazi-Szene auf der anderen Seite" bezeichnet werden durfte. Wie unbedacht und verharmlosend "Effilee" über Bruker berichtet hatte, erfuhr die Redaktion allerdings offenbar erst im Nachhinein von einem aufmerksamen Leser.

Der "Effilee"-Herausgeber (und hauptberufliche mobile.de-Millionär) Vijay Sapre entschied sich jedoch nicht nur, in Editorial der aktuellen Ausgabe ausdrücklich auf den Bruker-Fauxpas hinzuweisen; sein Magazin widmet der Frage "Wie braun ist Bio?" (Unterzeile: "Von NPD-Bauern, Öko-Diktatoren und dem rechten Rand der Bio-Szene") nun sogar die Titelstory.

Darin begibt sich der Journalist Eric T. Hansen neugierig auf eine (drei Doppelseiten lange!) Recherchereise in die Abgründe und Anfänge der braunen Ökoszene — von der Lebensreformbewegung des ausgehenden 19. Jahrhunderts über Hitlers Vegetarismus und Rudolf Steiner bis zur (immer wieder erstaunlichen) niederbayerischen Rechts-Postille "Umwelt & Aktiv"*. Dabei ist die eigentlich zeitlose Titelgeschichte unverhofft aktuell, weil sie natürlich auch auf die "Blut-und-Boden-Biohöfe" der Artamanen in der Gegend von Gülzow zu sprechen kommt, …

… die ja (wir berichteten) unlängst wieder neue Aufmerksamkeit erfahren durften — und über die schon 2007 in der verdi-Zeitschrift "Publik" Folgendes zu lesen war:

In den Neunzigern sind sie drei, vier Bauern. Ziehen auf die Resthöfe in die Gegend um Teterow und Güstrow an der Mecklenburgischen Seenplatte. Neusiedlerhöfe aus einem Siedlungsprogramm Adolf Hitlers, der in den dreißiger Jahren zerfallene Güter wiederbelebte, indem er das Land an Bauern aus Süddeutschland verteilte. Die Nachfahren der Neusiedler beackern den deutschen Boden, verbinden deutsches Gedankengut mit einem Leben auf eigener Scholle. Als sich Anfang 2004 die Initiative "Gentechnikfreie Region Nebel/Krakow am See" gründet, sind sie dabei. Mehr noch, einer der Ihren, Helmut Ernst, Biolandwirt aus Koppelow wird sogar Sprecher der Gruppe. Die anfangs elf Landwirte wollen das Gleiche, kein gentechnisch verändertes Saatgut auf ihren insgesamt 1300 Hektar (…). "Niemand von denen hat sich geoutet, die hielten sich bedeckt", sagt Burkhard Roloff [Agrarexperte des BUND Mecklenburg-Vorpommern].

Bis zur Landtagswahl im vergangenen Jahr. Am Wahlsonntag verteilt Helmut Ernst bei einem Treffen der Initiative ein Interview, das er der "Deutschen Stimme"*, dem Stammblatt der NPD, gegeben hat. "Da fragte ich ihn noch, ob er ein Grüner sei", erzählt Roloff. "Nein", sagt Ernst, "NPD". Zu diesem Zeitpunkt, die Initiative hat inzwischen vierzehn Mitglieder, kann sich Ernst das erlauben. Etwa die Hälfte der Gentechnikgegner sind bereits Sympathisanten der NPD, erfolgreich bearbeitet nach dem zweiten, dritten Bier von der anfänglich kleinen Gruppe rechtsextremer Landwirte. (…)
(Link von uns.)

Biolandwirt Ernst, der nach Bekanntwerden seiner NPD-Aktivitäten den Vorsitz der Anti-Gentechnik-Initiative aufgab, kommt auch am Ende der "Effilee"-Titelstory zu Wort — mit einem Dementi ("Wir verstehen uns nicht als Artamanen.") und einem aufschlussreichen Resümee der vergangenen Jahre:

"Es gab 2006 ein paar Proteste, als die Sache mit der NPD rauskam", erzählt der Biobauer, der seinen Weizen, Roggen, Hafer und Gerste zum größten Teil an die überregionale Erzeugergemeinschaft "Bioland Markt" liefert. "Aber unterm Strich gab es keine großen Nachteile. Auch in der Nachbarschaft und regional gab es kaum Probleme."

  • Das Effilee-Heft kann man hier für 6,80 Euro bestellen.
  • Noch mehr zum Thema "Braune Ökobauern" in Mecklenburg-Vorpommern in einem Interview bei Netz-gegen-Nazis.de.

 

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Kurz verlinkt: "GAZ" vom 18.01.2011

Wie die "Gießener Allgemeine Zeitung" berichtet, hat der Ex-CDUler und Gründer der islamfeindlichen Partei "Die Freiheit" offenbar dazugelernt. Nachdem ja (wie berichtet) ein geplanter Parteitag der "Freiheit" in Berlin von Protesten begleitet wurde und schließlich nicht stattfinden konnte, heißt es nun in der hessischen Lokalzeitung:

Weitgehend unbeachtet von der Öffentlichkeit hat die rechtspopulistische neue Partei "Die Freiheit" am vergangenen Samstag (…) ein "Mitglieder- und Interessiertentreffen" abgehalten. Offenbar aus Furcht vor Störungen durch Personen aus dem linken Spektrum war der Versammlungsort bis kurz vor Beginn der Veranstaltung geheim gehalten worden.

Weiter berichtet die "Gießener Allgemeine", dass die Veranstaltung (anders als in Berlin, wo private Räumlichkeiten angemietet worden waren) im städtischen Bürgerhaus in Wieseck stattfand. Die heimischen Medien seien zu der Veranstaltung nicht eingeladen gewesen.

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Kurz verlinkt: Ein "Trappe" vom 3.1.2011

Thomas Trappe, Reporter in sächsischen Riesa (bei Strehla), erzählt in seinem sympathischen Blog momentan folgende Anekdote:

Vor einem halben Jahr hatte ich das Vergnügen, ein Protagonist zu sein in einer Spon-Geschichte über das schöne Riesa in Mittelsachsen an der Elbe, dort arbeite ich ab und an und werde unter anderem was gefragt von anderen Journalisten, irgendwas mit Nazis meist. Die Spon-Mitarbeiterin hatte vernommen, dass es in Riesa ein Problem mit Neonazis gibt, ich hatte das hier und dort angedeutet. Wir trafen uns und sie fragte mich damals sinngemäß, wo denn jetzt die ganzen rechtsradikalen Fahnen hängen. Ich sagte, es sei etwas diffiziler, gerade wegen des Umstands, dass die Fahnen hier oft in den Köpfen, und nicht aus den Fenstern hängen. (…)

Die Geschichte [siehe Screenshot rechts] handelte dann von zerfallenen Straßen und SS-artigen Ausschreitungen in der Innenstadt. Beigefügt wurden Bilder von zerfallenen Häusern, die ich beim besten Willen noch nie gesehen hatte. (…)

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Kurz verlinkt: "Tagesspiegel" vom 22.12.2010

Nachdem das BKA bereits Anfang November über "bundesweite Durchsuchungen bei Betreibern des rechtsextremen Internet-Radios 'Widerstand-Radio'"* informiert hatte, zieht nun der "Tagesspiegel" mit einem Hintergrundstück nach und schreibt u.a.:

(…) Unbemerkt oder ignoriert von vielen Internetnutzern haben sich rechtsextreme Online-Radios etabliert. (…) Seit fünf Jahren, sagen Sicherheitsexperten, sei bei braunen Internetradios "ein steigender Trend bezüglich Quantität und Qualität" zu erkennen. (…) Rechtsextremisten nutzen mit dem Internet alle Wege der modernen Kommunikation. Neben sozialen Netzwerken wie Facebook, Youtube oder LastFM spielen eigene Netzwerk-Plattformen und darunter gerade auch die Internetradios eine wichtige Rolle für die Verbreitung brauner Propaganda. (…)

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Kurz verlinkt: "Zeit" vom 16.12.2010

(…) Lalendorf bei Güstrow, 200 Kilometer nordwestlich von Berlin in der Mitte von Mecklenburg-Vorpommern, ist der Sammelbegriff für dreizehn versprengte Siedlungen, die jeweils aus nicht viel mehr als einer Straße bestehen. Der Mittelpunkt der Gemeinde ist eine Straße mit Ladenzeile. Es gibt fünf Parkplätze, Post, Fußpflege, Schlachterei und Bäcker. Gegenüber liegt das Gewerbegebiet mit dem Netto-Markt und der Apotheke. Am Bahnhof hält alle zwei Stunden der Regionalexpress nach Lübeck. Der Ort hat alles, was ein Ort braucht. Mehr aber auch nicht. (…)

Nach Alan Posener ("WamS", wir berichteten) ist nun auch Ariane Breyer ("Zeit") nach Lalendorf gefahren.

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Kurz verlinkt: "WamS" vom 12.12.2010

Typisch Ökotante: Petra Müller trägt einen langen Rock aus filzigem Material, Wollsocken, Gesundheitssandalen; (…) das frische Gesicht sieht aus, als ob sie daran nur Wasser und Seife ließe. Aus braunen Augen sieht sie mich freundlich an. Das soll eine führende Gestalt der rechtsextremen Szene sein? Lächerlich!

Etwas ahnungslos prätenziös ("Auf bis heute ungeklärten Wegen erfuhr die Journalistin Andrea Röpke vom Vorgang", "Ich bin auf einen angeketteten Pitbull, eine verschlossene Tür, vielleicht sogar eine Wache mit Bomberjacke gefasst. Aber…") und mit einem überraschend plötzlichen Artikelende berichtet Alan Posener, "'Welt am Sonntag'-Korrespondent für Politik und Gesellschaft", dass er nach Mecklenburg-Vorpommern gefahren ist ("Dicht neben der engen Straße hebt ein Reh kurz den Kopf und sucht dann weiter unter dem dichten Schnee nach Nahrung.") und dort bei den Müllers geklingelt hat ("Wir reden im eiskalten Windfang.") — jenen Müllers, die laut bnr.de im schneeweißen Schloss Bansow in der Nähe von Güstrow zur Miete wohnen, und unlängst für Schlagzeilen sorgten, weil sie für ihr siebtes Kind eine Ehrenpatenschaft des Bundespräsidenten beantragt hatten und rechtsextrem sind (wir berichteten).

Außerdem schreibt Posener, dass sog. Artamanen rund um Güstrow "leer stehende Bauernhöfe aufgekauft und eine Art Wendland oder Toskana der rechtsextremen Szene geschaffen" haben. Und das gibt uns immerhin die Gelegenheit, ein paar andere Artikel zu diesen merkwürdigen Artamanen (in der "taz", im "Störungsmelder" und — mit, ähm, etwas unkritischerem Ansatz — in der "Jungen Freiheit"*) aus dem Archiv zu kramen.
 

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Kurz verlinkt: NDR-"Zapp" vom 8.12.2010

Das NDR-Medienmagazin "Zapp" (Mi., ca. 23 Uhr, NDR) berichtet über von der NPD finanzierte "Regionalzeitungen" in Thüringen:

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Kurz verlinkt: "Süddeutsche" vom 24.11.2010

Die "Süddeutsche Zeitung" berichtet sehr erhellend, wie sich Eric Weber, ein Journalist aus dem oberfränkischen Hof, für die Oktoberausgabe der extrem rechten, österreichischen Zeitschrift "Die Aula" ein Exklusiv-Interview mit dem ehemaligen bayerischen Ministerpräsidenten Günter Beckstein erschlichen habe.

Ähnliches war Weber laut "Süddeutsche" schon 2002 mit dem rechtspopulistischen Hamburger Innensenator Ronald Schill (damals für die rechtsextreme, deutsche Zeitschrift "Nation & Europa") gelungen. Und in derselben "Aula"-Ausgabe, in der sich nun Beckstein wiederfand, ist noch ein weiteres Exklusiv-Interview von Weber: ein doppelseitiges "'Aula'-Gespräch" mit dem niederländischen Rechtspopuisten Geert Wilders ("Wir sprachen mit ihm in Den Haag"). Das allerdings sei, wie Wilders' Büro exklusiv gegenüber dem islamfeindlichen Internetjournal "Politically Incorrect"* habe "verlauten" lassen, nicht erschlichen, sondern schlicht frei erfunden.

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