KÖLN. "Ich kaufe schon seit Jahren nichts mehr bei Moslems"

Wer die CDU zu ausländerfreundlich findet, ist hier in bester Gesellschaft: Was ein islamfeindliches Internetportal so erfolgreich macht.

LESEPROBE (Seite 121 bis 127, gekürzt)

(…) Auf der gegenüberliegenden Straßenseite parkt ein Streifenwagen der Polizei, direkt neben dem Eingang einer kleinen Hinterhofmoschee. Dort hatte sich für diesen Nachmittag ein umstrittener Nachwuchsprediger angekündigt. Und seinetwegen steht das kleine Grüppchen auf dem Bürgersteig, hat Israelfahnen mitgebracht, Plakate und ein großes Transparent. "Stoppt die Islamisierung Europas!" ist darauf in roten Lettern zu lesen. Und darunter eine kryptische Internetadresse: www.pi-news.net

Das Kürzel "PI" steht für "Politically Incorrect", ein Internetjournal. Und direkt hinter dem PI-Transparent steht auf dem Bad Godesberger Bürgersteig ein dunkelblonder, großgewachsener Mann: Stefan Herre. Er hat "Politically Incorrect" 2004 gegründet und ist längst eine der Leitfiguren der deutschen Islam-Gegner, einer illustren, politisch unübersichtlichen Szene, die bis in rechtsextreme Kreise reicht. Die von Herre gegründete Website ist ihr Leitmedium.

Deshalb hat ihn sogar schon der TV-Sender RTL in seiner Wohnung in Bergisch-Gladbach bei Köln besucht und fürs Regionalmagazin im Dachgeschoss vor dem Computer gefilmt. Inzwischen aber ist Stefan Herre vorsichtiger geworden und trifft Journalisten lieber – zwischen Rentnern und Touristen – in einem Café am Kölner Dom.

Herre, Jahrgang 1965, ist ein zurückhaltender, höflicher Mensch, drahtig, Langstreckenläufer, gelernter Sportlehrer, Familienvater. Was er sagt, wirkt, wenn er es sagt, fast harmlos: "Fakt ist", sagt er zwei Tage nach der Bad Godesberger Demo, "dass auch sogenannte gemäßigte Moslems in den letzten Jahren immer religiöser, immer gläubiger geworden sind. Und je gläubiger ein Moslem wird, umso gefährlicher wird er auch, weil er das, was er in der Moschee vom Imam vorgepredigt bekommt, auch in die Tat umsetzen will. Deswegen kann man auch nicht sagen: Ach, die ganzen Moslems, die hier wohnen, sind ungefährlich. Meines Erachtens sind das tickende Zeitbomben." (…) Für die Demo in Bad Godesberg habe ihm ein Mitstreiter deshalb sogar eine schusssichere Weste angeboten.

Über die kleine Protestveranstaltung vor der Moschee findet sich natürlich auch ein ausführlicher Beitrag samt Fotos und Videos auf "Politically Incorrect". Im Internet ist der Veranstaltung eine Resonanz sicher, die die tatsächliche Teilnehmerzahl der Demo um das mehr als Tausendfache übersteigt. Die Internetseite verzeichnet Tag für Tag knapp 50.000 Besuche. (…) Regelmäßig finden sich in PI-Texten auch E-Mail-Adressen und Telefonnummern von Islamophobie-Kritikern, manchmal auch mit der ausdrücklichen Aufforderung, ihnen die Meinung zu sagen. Anschließend berichten die Betroffenen häufig von einer Flut von E-Mails, Briefen und Anrufen, darunter nicht selten Verwünschungen und offene Drohungen.

"PI wird eben nie langweilig", sagt Stefan Herre. Er meint das nicht zynisch [und] legt großen Wert auf die Feststellung, dass er "in keinster Weise ein Rassist" sei. (…) Auffällig würden aber "immer wieder die Gleichen": "Aus dem türkischen Bereich kommen ja nicht die Gebildeten zu uns, es kommen halt die Leute aus Anatolien, die uns hier ja nicht wirklich intellektuell bereichern." Trotzdem stehe, wer in Deutschland den Islam kritisiere, "sofort in der rechten Ecke". (…)

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