Kurz verlinkt: Ein "Trappe" vom 3.1.2011

Thomas Trappe, Reporter in sächsischen Riesa (bei Strehla), erzählt in seinem sympathischen Blog momentan folgende Anekdote:

Vor einem halben Jahr hatte ich das Vergnügen, ein Protagonist zu sein in einer Spon-Geschichte über das schöne Riesa in Mittelsachsen an der Elbe, dort arbeite ich ab und an und werde unter anderem was gefragt von anderen Journalisten, irgendwas mit Nazis meist. Die Spon-Mitarbeiterin hatte vernommen, dass es in Riesa ein Problem mit Neonazis gibt, ich hatte das hier und dort angedeutet. Wir trafen uns und sie fragte mich damals sinngemäß, wo denn jetzt die ganzen rechtsradikalen Fahnen hängen. Ich sagte, es sei etwas diffiziler, gerade wegen des Umstands, dass die Fahnen hier oft in den Köpfen, und nicht aus den Fenstern hängen. (…)

Die Geschichte [siehe Screenshot rechts] handelte dann von zerfallenen Straßen und SS-artigen Ausschreitungen in der Innenstadt. Beigefügt wurden Bilder von zerfallenen Häusern, die ich beim besten Willen noch nie gesehen hatte. (…)

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"Eigentlich interessiert mich das nicht"

Anfang November besuchte Hans Püschel, seit vielen Jahren Bürgermeister von Krauschwitz, den NPD-Parteitag in Hohenmölsen. Anschließend schrieb er, warum auch immer, einen langen Leserbrief an die "Mitteldeutsche Zeitung", dessen Veröffentlichung die Zeitung aber ablehnte, woraufhin Püschel ihn u.a. auf der SPD-Mitgliederseite meineSPD.net öffentlich machte. Püschel, dessen Zeit als Bürgermeister des 600-Einwohner-Ortes im Burgenlandkreis zum Jahreswechsel ohnehin im Zuge einer Gemeindegebietsreform enden sollte, schrieb:

(…) Ich hab mich also am letzten Samstag in die Höhle des Löwen, [zum NPD-Parteitag] ins Bürgerhaus nach Hohenmölsen begeben. Da es leicht regnete, konnte ich unauffällig einen Schirm mit nehmen für den Fall, etwas Stabiles in der Hand haben zu müssen. Der Eingang war nicht passierbar mit dem Vermerk, die linken Demonstranten hätten die Eingangstür beschädigt. Über Nebeneingang und den Weg einer fünf Euro teuren Besucherkarte wurde ich eingelassen, hab an der Garderobe Mantel und „Bewaffnung“ abgelegt und mich in den ziemlich vollen Saal gedrängt. Zu meinem Erstaunen war der angefüllt mit Menschen, wie man sie an jedem anderen Ort auch begegnen kann. Viele junge Leute, Frauen, sogar Kinder. Ich war fast etwas enttäuscht: Beinahe wie auf einem SPD-Parteitag! Keine Springerstiefel, keine Schlägertypen. Und in den folgenden rund eineinhalb Stunden hab ich in den (allerdings manchmal zu lauten) Redebeiträgen kaum einen Satz gefunden, den ich nicht selbst hätte unterschreiben können! Diese Leute suchen offensichtlich auch nur nach Wegen, um Deutschland aus seiner kranken Situation heraus zu führen. (…) Die steigende Zahl von Nichtwählern sagt uns ja, daß immer weniger Menschen den Parteien der Mitte die Lösung ihrer Probleme zutrauen. Kann man es ihnen verübeln? Ich denke, wenn die (nur noch formale) Demokratie die existenziellen Probleme der Menschen und des Landes nicht löst, dann müssen es ja diejenigen versuchen, die eine vielleicht etwas andere Demokratie bzw. Volksherrschaft installieren wollen. (…)
(Hervorhebung von uns.)

Püschels Leserbrief gefiel der NPD* so gut, dass sie ihn anschließend selbst ungekürzt und nahezu unkommentiert weiterverbreitete. Darüber sei er "absolut nicht böse", sagte Püschel anschließend dem NPD-nahen DeutschlandEcho*, dem der 62-Jährige (ebenso wie dem "neurechten" Portal BlaueNarzisse.de*) offenbar bereitwillig für ein Interview zur Verfügung stand.

Einem Parteiausschlussverfahren zuvorkommend, ist Püschel inzwischen aus der SPD ausgetreten. Bei den sachsen-anhaltinischen Landtagswahlen im März 2011 wird er nun voraussichtlich in Hohenmölsen-Weißenfels als parteiloser Direktkandidat für die NPD kandidieren.

Und die "Mitteldeutsche Zeitung", die Püschels Leserbrief nicht hatte drucken wollen, berichtet aus Krauschwitz:

Püschel und sein Ausflug an den rechten Rand? Für viele Krauschwitzer ist das weit weg. "Meine Frau hat mir davon erzählt, aber eigentlich interessiert mich das nicht", sagt ein (…) Einwohner. Er klingt müde. "Ich gehe sowieso kaum zur Wahl, es ändert sich ja doch nichts."

 
Nachtrag, 11.1.2011: "Endstation Rechts" berichtet, Püschel sei (auch, nachdem Krauschwitz zum Jahreswechsel ins nahegelegene Teuchern eingemeindet wurde) weiterhin Bürgermeister, genauer: "Ortsbürgermeister der Ortschaft Krauschwitz".

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Kurz verlinkt: "Tagesspiegel" vom 22.12.2010

Nachdem das BKA bereits Anfang November über "bundesweite Durchsuchungen bei Betreibern des rechtsextremen Internet-Radios 'Widerstand-Radio'"* informiert hatte, zieht nun der "Tagesspiegel" mit einem Hintergrundstück nach und schreibt u.a.:

(…) Unbemerkt oder ignoriert von vielen Internetnutzern haben sich rechtsextreme Online-Radios etabliert. (…) Seit fünf Jahren, sagen Sicherheitsexperten, sei bei braunen Internetradios "ein steigender Trend bezüglich Quantität und Qualität" zu erkennen. (…) Rechtsextremisten nutzen mit dem Internet alle Wege der modernen Kommunikation. Neben sozialen Netzwerken wie Facebook, Youtube oder LastFM spielen eigene Netzwerk-Plattformen und darunter gerade auch die Internetradios eine wichtige Rolle für die Verbreitung brauner Propaganda. (…)

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Kurz verlinkt: "Zeit" vom 16.12.2010

(…) Lalendorf bei Güstrow, 200 Kilometer nordwestlich von Berlin in der Mitte von Mecklenburg-Vorpommern, ist der Sammelbegriff für dreizehn versprengte Siedlungen, die jeweils aus nicht viel mehr als einer Straße bestehen. Der Mittelpunkt der Gemeinde ist eine Straße mit Ladenzeile. Es gibt fünf Parkplätze, Post, Fußpflege, Schlachterei und Bäcker. Gegenüber liegt das Gewerbegebiet mit dem Netto-Markt und der Apotheke. Am Bahnhof hält alle zwei Stunden der Regionalexpress nach Lübeck. Der Ort hat alles, was ein Ort braucht. Mehr aber auch nicht. (…)

Nach Alan Posener ("WamS", wir berichteten) ist nun auch Ariane Breyer ("Zeit") nach Lalendorf gefahren.

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Kurz verlinkt: "WamS" vom 12.12.2010

Typisch Ökotante: Petra Müller trägt einen langen Rock aus filzigem Material, Wollsocken, Gesundheitssandalen; (…) das frische Gesicht sieht aus, als ob sie daran nur Wasser und Seife ließe. Aus braunen Augen sieht sie mich freundlich an. Das soll eine führende Gestalt der rechtsextremen Szene sein? Lächerlich!

Etwas ahnungslos prätenziös ("Auf bis heute ungeklärten Wegen erfuhr die Journalistin Andrea Röpke vom Vorgang", "Ich bin auf einen angeketteten Pitbull, eine verschlossene Tür, vielleicht sogar eine Wache mit Bomberjacke gefasst. Aber…") und mit einem überraschend plötzlichen Artikelende berichtet Alan Posener, "'Welt am Sonntag'-Korrespondent für Politik und Gesellschaft", dass er nach Mecklenburg-Vorpommern gefahren ist ("Dicht neben der engen Straße hebt ein Reh kurz den Kopf und sucht dann weiter unter dem dichten Schnee nach Nahrung.") und dort bei den Müllers geklingelt hat ("Wir reden im eiskalten Windfang.") — jenen Müllers, die laut bnr.de im schneeweißen Schloss Bansow in der Nähe von Güstrow zur Miete wohnen, und unlängst für Schlagzeilen sorgten, weil sie für ihr siebtes Kind eine Ehrenpatenschaft des Bundespräsidenten beantragt hatten und rechtsextrem sind (wir berichteten).

Außerdem schreibt Posener, dass sog. Artamanen rund um Güstrow "leer stehende Bauernhöfe aufgekauft und eine Art Wendland oder Toskana der rechtsextremen Szene geschaffen" haben. Und das gibt uns immerhin die Gelegenheit, ein paar andere Artikel zu diesen merkwürdigen Artamanen (in der "taz", im "Störungsmelder" und — mit, ähm, etwas unkritischerem Ansatz — in der "Jungen Freiheit"*) aus dem Archiv zu kramen.
 

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Schlittschuhlaufen gegen Rechts

Erinnert sich noch jemand an das "Hotel am Stadtpark" in Delmenhorst?

Macht nichts.

Das Symbol des erfolgreichen Kampfs der Delmenhorster gegen Rechts ist ohnehin seit März 2009 abgerissen, auf der Baulücke ist inzwischen eine grüne Wiese gewachsen – und in Delmenhorst eine so umtriebige* wie gewaltbereite rechtsextreme Szene.

Was bloß aus der Hotel-Brache werden soll, das ist in Delmenhorst inzwischen ein traditionsreiches Diskussionsthema. Der neuste Vorschlag kommt von der Wählergemeinschaft "Neue Wege": Im Winter solle man das Wiesengrundstück mit Wasser aus der Delme fluten und den Bürgern zum kostenlosen Schlittschuhlaufen zur Verfügung zu stellen, berichtet der "Weser-Kurier".

P.S.: Die offiziellen Planungen der Stadt sehen vor, auf dem Areal eines Tages ein "Atriumhaus" mit Eigentumswohnungen "für höchste Nutzungsansprüche" zu errichten. Eine Idee, die längst nicht alle in der Stadt begeistert. Schließlich hatten viele davon geträumt, das Hotel – quasi als Dankeschön – für die Delmenhorster nutzbar zu machen. Hatte die Stadt das Gebäude doch mit  945.000 Euro Spenden aus der Bevölkerung erworben, als der Besitzer drohte, es an den Rechtsextremisten Jürgen Rieger zu verkaufen.

Die teure Aktion brachte den Delmenhorstern Bewunderung in aller Welt ein – und sollte verhindern, dass Delmenhorst zum Tummelplatz für Neonazis wird. Eine Rechnung, die nicht aufgegangen ist.
 

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So grundgesetztreu wie wahrheitsliebend

Was haben der ehemalige CDU-Politiker Jörg Uckermann und der ehemalige NPD-Mann André Hüsgen gemeinsam? Beide saßen für ihre Ex-Parteien in Lokalparlamenten, traten aus, aber blieben weiter in ihren Stadträten sitzen — und traten wenig später der islamfeindlichen pro-Bewegung bei, die vom Verfassungsschutz des Rechtsextremismus verdächtigt wird.

Mit dem ehemaligen NPD-Mann Andreas Molau jedenfalls hat pro NRW-Neuzugang Hüsgen noch etwas anderes gemein. Seit Molau nämlich im Mai 2010 zu pro NRW gewechselt ist, blendet die "Bürgerbewegung" Molaus NPD-Vergangenheit in parteieigenen Veröffentlichungen hübsch aus. Molau ist dort stattdessen nur "der bekannte Publizist" oder "der patriotische Publizist und ehemalige Waldorf-Lehrer". Und Hüsgen? Knapp drei Monate nach seinem NPD-Austritt* heißt es in einer pro-Pressemitteilung* über Hüsgens Politkarriere:

Der parteilose Ennepetaler Stadtrat Andre Hüsgen ist gestern in die Bürgerbewegung pro NRW eingetreten. Der 38jährige Buchhalter kann auf eine langjährige kommunalpolitische Erfahrung bei der rechtsdemokratischen Partei der Republikaner zurückblicken, für die er von 1997 bis zum Jahr 2009 aktiv war. Hüsgen war in dieser Zeit u.a. Kreisvorsitzender im Ennepe-Ruhr-Kreis und von 2004 bis 2009 im benachbarten Wuppertal-Oberbarmen Bezirksvertreter mit einem beachtlichen Wahlergebnis von 4,3 % der Wählerstimmen.
(Link von uns!)

Ach ja, sich selbst bezeichnet pro NRW übrigens in derselben Mitteilung als "grundgesetztreu", "heimatverbunden, sozial und insbesondere den Interessen der einheimischen Bevölkerung verpflichtet" sowie "entschieden im Kampf gegen jeglichen politischen Extremismus".

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"Ein Beispiel für die allgemeine Unfähigkeit"

Die Weigerung des Bürgermeisters von Lalendorf, einem rechtsextremen Ehepaar anlässlich der Geburt ihres siebten Kindes die Ehrenpatenschaftsurkunde des Bundespräsidenten nebst 500 Euro zu überreichen (Heile-Welten.de berichtete), hat Folgen.

Nachdem Urkunde und Geld ja inzwischen vom Bundespräsidenten per Post an das Ehepaar geschickt wurden, steht der Lalendorfer Bürgermeister Reinhard Knaack unter Polizeischutz. Den Grund dafür fasst die Nachrichtenagentur dpa (unter Berufung auf die Polizei) so zusammen:

Eine Gruppe von sechs Personen, die der rechten Szene zugeordnet werde, sei am Sonntag auf Knaacks Grundstück eingedrungen (…). Die Polizei kontrollierte mehrere Personen, dabei sei es zu Übergriffen auf die Beamten gekommen. Die Polizisten setzten Pfefferspray ein. Nach der Feststellung der Personalien wurden die Störer mit einem Platzverweis entlassen. Verletzt wurde niemand. Das Grundstück des Bürgermeisters blieb unbeschädigt."

Am selben Tag hatten die vermutlich selben Rechtsextremen in Lalendorf eine irgendwie satirisch gemeinte "öffentliche Bekanntmachung an alle Einwohnerinnen und Einwohner" verteilt, in der ein "Zentralkomitee des Ministeriums für Gemeindesicherheit Lalendorf" höhnisch verkündet, dass es den Bürgermeister für einen "Stalinorden für Demokratieerhalt" vorsehe. Herausgeber des Handzettels war laut Polizei ein NPD-Mitglied der Rostocker Bürgerschaft — genauer: der stellvertretende Landesvorsitzende der NPD, David Petereit, der selbst zu den Störern gehörte. Selbstbewusst veröffentlichte die (ebenfalls auf Petereit registrierte) rechtsextreme Internetseite mupinfo.de* inzwischen u.a. Fotos der "Bekanntmachung" und des möglicherweise nicht außerordentlich professionellen Polizeieinsatzes. (Auf YouTube findet sich dazu sogar ein mupinfo-Video*.) Und das dubiose Nachrichtenportal MVregio.de*, das in der Vergangenheit schon häufiger durch mangelnde Distanz zu Rechtsextremen auffiel, berichtet zudem, dass die Kripo Rostock am Tag nach der Störaktion bei Petereit eine Hausdurchsuchung durchgeführt hätte — "wegen des dringenden Verdacht von Widerstands gegen Vollstreckungsbeamte und Verdacht des Haufriedenbruch [sic]".

Aber geschenkt: Tissy Bruns, politische Chefkorrespondentin beim Berliner "Tagesspiegel", hat ohnehin einen anderen Verantwortlichen für die rechtsextreme Kampagne gegen den Lalendorfer Bürgermeister ausgemacht: den Bürgermeister selbst. Womöglich meint es Bruns gar nicht so, aber wenn sie schreibt, die Weigerung des Bürgermeisters, die Patenschaftsurkunde zu übergeben, drücke "nichts anderes als Hoffnungslosigkeit" aus und sei "ein kleines Beispiel für die allgemeine Unfähigkeit, dem Rechtsextremismus in Deutschland angemessen zu begegnen" — was sonst soll das denn bitte schön bedeuten außer: Selber schuld!?

Wo wir aber gerade schon beim Thema "Unfähigkeit" sind: Anlässlich der Lalendorfer Vorkommnisse hatte das NDR-"nordmagazin" einen Staatssekretär des mecklenburg-vorpommerschen Innenministeriums zu Gast. Auf die hilflose Frage des NDR-Moderators, was "wir" denn "dagegen tun" können, hatte der Beamte neben der "Mithilfe der Bevölkerung" ("damit die Polizei einschreiten kann") noch zwei weitere Antworten: "ein NPD-Verbotsverfahren durchsetzen" und "die Videobeobachtung im öffentlichen Raum erweitern". Das sei aber "leider auch umstritten in Deutschland".
 

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Kurz verlinkt: NDR-"Zapp" vom 8.12.2010

Das NDR-Medienmagazin "Zapp" (Mi., ca. 23 Uhr, NDR) berichtet über von der NPD finanzierte "Regionalzeitungen" in Thüringen:

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Gericht: NPD-Aktion war volksverhetzend

Der Leiter der NPD-Öffentlichkeitsarbeit, Jörg Hähnel, soll demnächst je 1000 Euro an die Menschenrechtsorganisation "Human Rights Watch" und die "DAV-Stiftung contra Rechtsextremismus und Gewalt" zahlen. Das jedenfalls hat ein Berliner Amtsgericht in einem Urteil gegen Hähnel wegen Volksverhetzung entschieden. Verurteilt wurde der NPD-Mann, wie u.a. der "Tagesspiegel" berichtet, jedoch nicht nur zu der großzügigen Spende, sondern darüber hinaus zu zehn Monaten Haft auf Bewährung. Das Urteil ist noch nicht rechtskräftig.

Der Grund für Hähnels Verurteilung liegt mehr als ein Jahr zurück: Vor der Bundestagswahl 2009 hatte der NPD-Öffentlichkeitsarbeiter seine Partei mit einer provokanten PR-Aktion in die Schlagzeilen gebracht. Als angeblicher "Ausländerrückführungsbeauftragter" verschickte er an rund 30 Politiker mit Migrationshintergrund eine "Bekanntmachung über die geordnete Durchführung der Heimreise von Personen mit Migrationshintergrund in ihre Heimatländer" (siehe links). Die Briefkampagne empörte Politik und Medien, was laut NPD auch Sinn und Zweck der Aktion gewesen sei. NPD-Sprecher Klaus Beier jedenfalls sagte uns für unser Buch, Hähnel habe damit die "Schweigespirale" der Medien durchbrechen wollen.

Neu ist das NPD-Gewitzel mit dem "Ausländerrückführungsbeauftragten" allerdings nicht. Bereits kurz vor Hähnels Aktion hatte beispielsweise die NPD-Fraktion Eisenach* einen Antrag zur Änderung der Hauptsatzung der Stadt Eisenach formuliert, wonach der "Ausländerbeauftragte" u.a. "Ausländerrückführungsbeauftragter" heißen solle. Und im Dezember 2008 hatte der Bautzener NPD-Fraktionsvorsitzende Mario Ertel vor der Wahl des Ausländerbeauftragten im Bautzener Kreistag seine eigene Kandidatur als "Ausländerrückführungsbeauftragter" für "unnötig" erklärt, weil der rechtspopulistische, ehemalige CDU-Bundestagsabgeordnete Henry Nitzsche bereits mit ähnlich radikalen Forderungen wie er als Kandidat angetreten war (und laut NPD* mit 14 Prozent das zweitbeste Ergebnis der Wahl erzielte).
 

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"Unsere Kinder fallen überall positiv auf"

Die Eheleute Marc und Petra Müller, wohnhaft im mecklenburg-vorpommerschen Lalendorf, werden demnächst wohl Post von Christian Wulff bekommen.

Petra Müller ist nämlich unlängst zum siebten Mal Mutter geworden, weswegen die Müllers eine Ehrenpatenschaft des Bundespräsidenten für ihren Nachwuchs beantragt hatten, die der Bundespräsident den Eltern eigentlich wie üblich "mit einem Patengeschenk (zzt. 500 Euro) von einem Repräsentanten der Stadt oder Gemeinde aushändigen" lassen wollte. Schließlich erfüllt der jüngste Müller-Sproß anscheinend alle Ehrenpatenschaftsvoraussetzungen (Antrags-Download hier). Doch im Fall der Müllers hatte sich der zuständige Repräsentant, Bürgermeister Reinhard Knaack (Linke), der Aushändigung verweigert, was hernach als "großes Vorbild für Entschlossenheit und Zivilcourage" gewertet wurde, denn…

… die Müllers sind rechtsextrem. Aber, wie die heutige "taz" berichtet, ein Ausweg aus dem Dilemma ist bereits gefunden: Nach einigem Hin und Her (und nachdem sich die NPD-Oberlausitz* "an den roten Faschismus" erinnert fühlte und sich laut "Junge Freiheit" (JF)* auch noch der Landesvorsitzende der Deutschen Kinderhilfe Mecklenburg-Vorpommern glaubte zu Wort melden zu müssen) kommen Urkunde und Geld nun per Post aus Bellevue.

Zuvor hatte die "Junge Freiheit"* außerdem berichtet, dass Mutter Müller zwar ihre Kontakte zur 2009 verbotenen "Heimattreuen Deutschen Jugend", zur 1994 verbotenen "Wiking-Jugend",  zur NPD-Organisation "Ring Nationaler Frauen" und zur (inzwischen verstrobenen) NPD-Größe Jürgen Rieger nicht bestreite. Aber, so die JF weiter:

"Wir haben aber keine Straftaten begangen", sagt die 37-Jährige. "Wir sind auch nicht Mitglied in der NPD." Sie seien vor knapp anderthalb Jahren nach Lalendorf gezogen und hätten sich nie etwas zu Schulden lassen kommen. Im Gegenteil: "Bis jetzt haben wir nur Lob für unsere Kinder bekommen. Von Nachbarn, von Lehrern. Unsere Kinder fallen überall positiv auf."

Nun aber klage ihr 14-jähriger Sohn über Bauchschmerzen, wenn er morgens zur Schule soll.

P.S.: Die Müllers sind nicht die einzigen Rechtsextremen, die ihre Kinder mit präsidialen Ehrenpaten zu bedenken wussten. In der Großfamilie der rechtsextremen Aktivistin Silvia Kirschner (ehemals Silvia Berisha) etwa gibt es offenbar sogar schon zwei Ehrenpatenonkel: den ehemaligen Bundespräsidenten Horst Köhler und den (fürs 6. Kind mit bis zu 1250 Euro dotierten) ehemaligen Ministerpräsidenten Dieter Althaus. Letzterer hatte, wie erst 2006 öffentlich wurde, die Patenurkunde im Wahlkampf 2004 sogar persönlich ausgehändigt. Laut "Leipziger Volkszeitung" seien besorgte Bürger zwar im Vorfeld beim damaligen Thüringer Bürgerbeauftragten, Karsten Wilsdorf, wegen der vielleicht etwas unglücklichen Umstände des geplanten Wahlkampftermins vorstellig geworden. Doch sah Wilsdorf damals wohl keine Notwendigkeit, den Ministerpräsidenten zu informieren. Der Informationsdienst "Blick nach Rechts" erinnert sich nun:

Nach der Scheckübergabe ließ [Althaus] sich mit dem jüngsten Spross auf dem Arm, neben der Mutter und ihrer auffällig altmodisch gekleideten Kinderschar lächelnd ablichten. Auch Kirschner schien ihren Spaß gehabt zu haben.

 

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Kurz verlinkt: "Süddeutsche" vom 24.11.2010

Die "Süddeutsche Zeitung" berichtet sehr erhellend, wie sich Eric Weber, ein Journalist aus dem oberfränkischen Hof, für die Oktoberausgabe der extrem rechten, österreichischen Zeitschrift "Die Aula" ein Exklusiv-Interview mit dem ehemaligen bayerischen Ministerpräsidenten Günter Beckstein erschlichen habe.

Ähnliches war Weber laut "Süddeutsche" schon 2002 mit dem rechtspopulistischen Hamburger Innensenator Ronald Schill (damals für die rechtsextreme, deutsche Zeitschrift "Nation & Europa") gelungen. Und in derselben "Aula"-Ausgabe, in der sich nun Beckstein wiederfand, ist noch ein weiteres Exklusiv-Interview von Weber: ein doppelseitiges "'Aula'-Gespräch" mit dem niederländischen Rechtspopuisten Geert Wilders ("Wir sprachen mit ihm in Den Haag"). Das allerdings sei, wie Wilders' Büro exklusiv gegenüber dem islamfeindlichen Internetjournal "Politically Incorrect"* habe "verlauten" lassen, nicht erschlichen, sondern schlicht frei erfunden.

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Herzlich Willkommen!

Am 7. Februar 2011 ist im Carl Hanser Verlag das Buch "Heile Welten — Rechter Alltag in Deutschland" erschienen, das wir in den vergangenen anderthalb Jahren recherchiert und geschrieben haben — nicht um Alarm zu schlagen, sondern um neue Einblicke zu bieten in das rechte Alltagsleben in Deutschland. Auf gut 220 Seiten finden sich darin hauptsächlich Reportagen, Momentaufnahmen, die beispielhaft zeigen sollen, wie vielfältig und… (weiterlesen*)

*) wenn Sie mehr darüber wissen möchten, was es mit diesem Blog auf sich hat

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